Das war das G-Forum 2020

Das KIT Institut für Entrepreneurship, Technologie-Management und Innovation (EnTechnon) war Gastgeber des diesjährigen G-Forums, der Interdisziplinären Jahreskonferenz zu Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand, die vom Förderkreis Gründungs-Forschung (FGF e.V.) organisiert wird.

Das G-Forum 2020 fand vom 28. September bis 2. Oktober 2020 aufgrund der Corona Pandemie erstmals als virtuelle Konferenz statt und hatte in seiner 24. Auflage den Schwerpunkt „Entrepreneurship als Gestaltungswissenschaft” (Entrepreneurship as Design Science). Beim Design Science geht es insbesondere darum, wissenschaftlich fundierte und validierte Artefakte zu schaffen, die Gründer bei ihrer Arbeit unterstützen. Beispiele für bekannte Artefakte sind der Business Model Canvas oder auch die Lean Startup Methode.

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Corona-Schlaglichter Teil 3

In unserer Rubrik “Corona-Schlaglichter” wollen wir euch regelmäßig über die Erfahrungen und Erkenntnisse der KIT-Gründerteams mit der Corona-Krise informieren. Wir hoffen, sie geben euch neue Impulse oder einfach nur die Gewissheit, dass ihr in dieser schweren Krise mit euren Sorgen nicht alleine seid.

Für unsere dritte Ausgabe haben wir mit dem Team von heliopas gesprochen.

Der Lockdown war Ende März. Wie habt ihr rückblickend reagiert?

Wir sitzen im CyberLab und waren erstmal alle im Homeoffice ohne Kurzarbeit. Ich selbst hatte am 1. April meinen ersten Arbeitstag, an dem wir kurz im Büro waren, technisch alles eingerichtet haben und dann ging´s auch für mich bis Ende Mai ins Homeoffice.

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Entrepreneurshiplehre im Corona-Sommersemester

Klausur in Schwarzwaldhalle Karlsruhe

Dieses Sommersemester war alles anders. Vorlesungen und Seminare fanden online statt und brachten neue Herausforderungen und technische Anforderungen mit sich. Wir haben mit unseren KIT-Gründerschmiedenkollegen vom EnTechnon, Lehrstuhl für Entrepreneurship und Technologie-Management am KIT, gesprochen und nachgefragt, was für Erfahrungen sie gemacht haben, wie haben die Studirenden reagiert und was war der größte Unterschied zum normalen Unibetrieb.

Sarah Manthey und Marcos Gonzáles haben uns ihre Eindrücke und Erfahrungen zur digitalen Vorlesung Entrepreneurship und dem Online-Seminar Design Thinking gegeben.

Interview mit Sarah

Wie groß war für euch der Aufwand einer digitalen Umsetzung?

Die größte Herausforderung war für uns, dass alles so ad Hoc geschehen musste. Wir hatten wenig zeitlichen Vorlauf. Generell war die Umstellung für uns auf digitales Arbeiten nicht kompliziert, da wir viele internationale Mitarbeiter haben und es gewohnt waren, vieles online zu machen, wie Besprechungen und Kommunikation über Microsoft Teams abzuwickeln.

Das Konzept für die Vorlesung musste angepasst werden. Die einzelnen Präsentationen für den jeweiligen Vorlesungstag hätte es eh gegeben und diese wären auch ohne Corona online zur Verfügung gestellt worden. Aber es ist natürlich ein großer Unterschied, ob ich bei der Präsentation in einem Hörsaal stehe, spreche, die Reaktion der Studierenden sehe und eine Zwischenfrage kommt oder ob ich als Professor zuhause dazu das Wichtigste alleine einspreche. Zum einen macht man sich für die einzelnen Formulierungen viel mehr Gedanken, da das Video unzählige Male wieder abgespielt werden kann. Zum anderen muss Länge und Inhalt auf die neue Darbietungsform angepasst werden. Das bedeutet in der Umsetzung, dass der Inhalt für ein digitales Format angepasst und gekürzt wurde, damit die Studierenden nur das Wichtigste in thematischen Happen präsentiert bekamen. Zudem sollte es auch einen pädagogischen Mehrwert bieten. Eine Flut an Medien nutzt keinem etwas. Das neue Konzept bedeutete natürlich viel mehr Arbeit, was sich aber letztendlich ausgezahlt hat.

Wie unterscheidet sich die digitale Vorlesung?

Normalerweise wäre die Vorlesung dienstags gewesen. Am Sonntagabend bekamen die Studierenden über Ilias, die Lernplattform des KIT, das Video der Vorlesung zum Download. Zum Foliensatz lief die Tonspur von Prof. Orestis Terzidis.

Am Dienstag wurde dann zur eigentlichen Vorlesungszeit die „Questions and Answers“ Stunde angeboten, die per Zoom stattfand. Hier konnten die Studierenden zu den Vorlesungsinhalten ihre vorbereiteten Fragen stellen. Dies wurde sehr gut angenommen. Der inhaltliche Ablauf war hier wie in jedem Semester, am Anfang sind es mehr als am Ende und auch tauchen immer die üblichen Verdächtigen auf. Aber es war gut und richtig diesen Ablauf so anzubieten.

Noch eine große Veränderung wird die Abwicklung der Abschlussklausur am 26. Juni sein, für die bisher rund 200 Studierende angemeldet sind. Diese findet wie zahlreiche andere KIT-Klausuren in der Schwarzwaldhalle am Kongressplatz statt, da hier die nötigen Abstandsregeln eingehalten werden können. Viele ausländische Studierende werden die Prüfung mündlich machen dürfen, da sie nicht rechtzeitig einreisen dürfen oder die 14-tägige Quarantänezeit auch nicht pünktlich zum Termin vorüber ist.

Was war der größte Unterschied zum normalen Vorlesungsbetrieb?

Zum einen waren die Vorlesungen viel kürzer aufgrund des überarbeiteten Konzepts (siehe Antwort oben). Zum anderen lebt eine Vorlesung von der Präsenz, von der interaktiven Diskussion am Ende, wo oft die wirklich spannenden Aspekte besprochen werden. Das hat natürlich gefehlt. Auch ging sehr viel Zeit für organisatorische Fragen drauf, die man in einem normalen Semester schnell am Ende der Vorlesung kurz geklärt hätte.

Oft ergibt sich auch aus einer Diskussion oder einem persönlichen Gespräch ein mögliches Masterarbeitsthema. Diese spontanen und situativen Zusammentreffen konnten in diesem Semester zwischen Studierenden selbst und mit dem Professor und seinem Team nicht stattfinden.

Was waren Nachteile und was Vorteile vom digitalen Semester?

Wir haben tatsächlich schon eine Evaluation gemacht, wobei noch mehr Feedback immer toll wäre. Insgesamt kam die Vorlesung sehr gut an.

Was sehr gut geklappt hat waren die Guest-Talks. Das hat digital sogar besser funktioniert als analog. Wir hatten ganz neue Möglichkeiten spannende Redner zu bekommen, da er nicht anreisen musste und dadurch viel weniger zeitlichen Aufwand hatte. Zum anderen konnten alle während des Vortrags die Folien mitverfolgen und wussten genau, wo man gerade war. Parallel gab es einen Live-Zoom-Chat, wo die Studierenden ihre Fragen direkt reinschreiben konnten. Der Vortragsredner konnte so direkt auf die Fragen eingehen oder hatte sie am Ende gebündelt und in der inhaltlich richtigen Reihenfolge vorliegen. Für die Frage eines Studierenden wurde dann jeweils die Kamera aktiviert, damit zur Stimme auch ein Gesicht zu sehen war.

Problematisch an dem digitalen Semester war es, den Überblick und den Kontakt zu den Teilnehmenden zu halten. Wie viele Studierende nehmen jetzt tatsächlich an der Vorlesung teil? Auf große Rundmails haben meisten wenige Studierende geantwortet und für uns war nicht klar, heißt keine Antwort „Ja, alles okay“ oder „nicht erreicht“?

Für uns war die Lernkurve jedenfalls sehr hoch und wir sind gewappnet für ein digitales Wintersemester.

Vielen Dank Sarah Manthey für das Interview.

Interview mit Marcos

Wie groß war für dich der Aufwand einer digitalen Umsetzung?

Ich würde nicht sagen, dass es sich um eine Anstrengung handelt, die man in einem normalen Seminar nicht machen würde. Das heißt, wir übertragen die Anstrengungen, die wir im Klassenzimmer machen, in eine Anstrengung im digitalen Klassenzimmer. Ich denke, dass wir als EnTechnon diese Situation als eine Gelegenheit genutzt haben, um an neuen Werkzeugen zu wachsen, die wir nutzen können und die sicherlich sehr nützlich für die Studenten sein werden.

Worin liegen die größten Unterschiede „normalen“ Seminar?

Eines der Dinge, die in den Seminaren von EnTechnon gefördert werden, ist, dass die Studenten eine Unterrichtserfahrung machen können, in der sie eine reale Situation mit Hilfe von Kursmethoden simulieren. Zu diesem Zweck werden visuelle Arbeitsmittel wie Leinwand, farbige Haftnotizen, Farbstifte usw. verwendet. Sie ermöglichen es ihnen, ihre Ideen auszudrücken und gleichzeitig “learning by doing” zu lernen. Im digitalen Raum haben wir versucht, diese Elemente auf digitale Weise zu integrieren, und obwohl ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind, ist die soziale Erfahrung, die man macht, wenn man seine Kollegen “beobachtet” und seine Ergebnisse “anfassen” kann, etwas, das einen großen Unterschied zwischen einem normalen Seminar und einem digitalen Seminar ausmacht.

Was fehlt dir bei der digitalen Seminar-Arbeit im Doing?

Wie ich bereits sagte, eine Sache, die den digitalen Seminaren fehlt, ist der direkte soziale Kontakt zwischen Lehrern und Schülern und zwischen Schülern. Es ist etwas, das unserer menschlichen Realität innewohnt, und ich denke, es ist etwas, das wir immer vermissen werden.

Deshalb glaube ich, dass es sehr sinnvoll ist, was ich einmal von Prof. Terzidis (Direktor von EnTechnon) gehört habe, als er uns zu Beginn eines unserer Seminare bat, die Kameras zu aktivieren und uns gegenseitig zu grüßen und uns anzuschauen, um zu wissen und zu spüren, dass auf der anderen Seite Menschen waren. Ich denke, das war wirklich bedeutsam, und ich denke, es ist eine der besten Praktiken für unsere digitalen Seminare.

Was waren Nachteile und was Vorteile vom digitalen Sommer-Semester?

Ein Nachteil ist die zusätzliche Bemühung, die Sie machen müssen, um Interaktion im Kurs zu haben, sonst wird er zu einem Theoriekurs und kommt nicht in die Nähe der Ziele eines Seminars. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Studierenden, wenn sie keine gute Internetverbindung haben, nicht die gleiche Erfahrung im Seminar machen können.

Die Vorteile eines digitalen Seminars liegen darin, dass Studenten, die sich nicht trauen, manchmal “live” teilzunehmen, wenn man ihnen die richtigen Werkzeuge an die Hand gibt, können sie sehr gut in einem digitalen Seminar machen. Zum Beispiel ist es sehr einfach, während eines Kurses Meinungen oder Feedback durch Apps zu geben oder Tools zur Gruppenteilnahme anzuwenden.

Wie haben die Studierenden reagiert/ mitgearbeitet? Hat sich das Verhältnis zwischen euch verändert?

Tatsächlich haben sich die Studierenden auch recht schnell angepasst und waren bei der Teilnahme an den Semestern sehr hilfreich. Ich denke, die meisten von ihnen verstehen, dass dies außergewöhnliche Zeiten sind und dass wir alle diese Anstrengungen unternehmen müssen. Ich glaube, dass die digitale Umgebung noch offenere und zugänglichere Beziehungen ermöglicht. Wenn Studierende Plattformen (wie Forum, Apps) zur Kommunikation haben, wissen sie, wie sie diese nutzen können.

Was ist dein Fazit von dieser Seminarerfahrung?

Kurz gesagt, ich denke, wir haben mit der Leitung unseres ersten Webinars eine ausgezeichnete Erfahrung gemacht. Es gibt Tools, mit denen wir eine Videokonferenz in einen Lernraum für Studenten verwandeln können. Wir haben gelernt, dass auch die Studentinnen und Studenten diese Bemühungen schätzen und sich sehr schnell an Veränderungen anpassen. Dies spricht sehr gut für den Lehrprozess, den sie erlebt haben, und zeigt deutlich, dass es sich um eine Generation von Technologien handelt.

Was sind die größten Learnings für ein digitales Wintersemester?

Wichtige Lektionen sind:

- Interaktion ist der Schlüssel zur Leitung eines Seminars, und dafür müssen wir alle verfügbaren Instrumente nutzen.

- Die Planung der technologischen und technischen Hilfsmittel im Voraus ist entscheidend.

- Man sollte auch die Bedeutung von sozialen und emotionalen Kontakten in den Seminaren berücksichtigen.


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Corona-Schlaglichter Teil 2

COVID-19 Business Finance Crisis Concept. Coronavirus Danger Pandemic. Global stress of world economy.In unserer neuen Rubrik “Corona-Schlaglichter” wollen wir euch regelmäßig über die Erfahrungen und Erkenntnisse der KIT-Gründerteams mit der Corona-Krise informieren. Wir hoffen, sie geben euch neue Impulse oder einfach nur die Gewissheit, dass ihr in dieser schweren Krise mit euren Sorgen nicht alleine seid.

Für unsere zweite Ausgabe “Corona Schlaglichter” im Juni haben wir mit den Teams von auvisus, HQS Quantum Simulations und memetis gesprochen. Hier geht´s zu den Interviews:

auvisus

Kerngeschäft: auvisus ermöglicht durch künstliche Intelligenz in der Bildverarbeitung eine Automatisierung des Kassiervorgangs in Betriebsrestaurants.
Gründungsjahr: 2019 – Teamgröße: > 6

Der Lockdown war Ende März. Wie habt ihr den Anfang der Pandemie wahrgenommen?

Ehrlich gesagt, waren uns die Auswirkungen und das Ausmaß der Corona-Pandemie anfangs gar nicht so bewusst. Wir haben von Woche zu Woche entschieden und geplant. Es gab nie diese eine große Krisensitzung, wo wir schnell einen Plan B entwickeln mussten, damit es weitergeht.

Wir hatten gleich am Anfang ein Hoch und ein Tief zugleich. Auf der einen Seite hat ein strategischer Kunde den Start des geplanten Pilotprojekts verschieben müssen, da sein Betriebsrestaurant aufgrund von Corona schließen musste. Auf der anderen Seite hatten wir einen erfolgreichen Produkt-Launch. Hier wurde eine Betriebskantine neu eröffnet Der Kunde war natürlich sehr dankbar, dass er gerade jetzt mit einem personenlosen Kassiervorgang starten konnte.

Sitzen seitdem alle im Homeoffice? Konnte euer Team weiterhin voll arbeiten?

Unser Büro ist im CyberLab, was ja recht offen angelegt ist. Wir sind mit dem Lockdown direkt alle ins Homeoffice, was für uns als kleines und junges Team technisch und strukturell keine große Umstellung war. Wir arbeiten sowieso mit vielen digitalen Tools.
Wir konnten bisher alle voll arbeiten, da wir, wie die meisten Teams sicherlich auch, unsere Energie und Arbeitskapazität auf die Weiterentwicklung des eigenen Produkts gelegt haben und weniger auf die Kundenakquise.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf auvisus?

Unser Produkt hat durch die Corona-Krise noch an Bedeutung gewonnen. Vor allem in der aktuellen Situation haben Kantinen einen deutlich höheren Personalaufwand, da eine zusätzliche Person den Salat am Buffet ausgibt oder das Besteck. Das Interesse potentieller Kunden ist damit sehr groß ist, aber wir merken auch, dass die Gastronomiebranche noch sehr vorsichtig und abwartend ist und schaut, wie wird sich die Situation in den kommenden Monaten entwickeln. Dadurch kommt es nicht so schnell zur Umsetzung oder zu einer konkreten Unterschrift.

Generell war der Vertrieb in den letzten zwei Monaten fast nicht existent. Viele unserer Kunden waren in Kurzarbeit oder oft auch einfach nicht erreichbar. Jetzt hat sich das deutlich verbessert und die Akquise kann wieder mit vollem Einsatz laufen. Aufgrund dieser Tatsache mussten wir unsere Planung für 2020 um drei Monate nach hinten verschieben. Damit haben wir jetzt wieder die Ziele wie vor dem Lockdown im Fokus. Diese waren und sind sehr ambitioniert, aber wir sind hoch motiviert und haben Lust, große Kundenprojekte auf den Weg zu bringen.

Auch machte Corona anderen Plänen von uns einen Strich durch die Rechnung. Eine der größten Messen Europas, die INTERNORGA 2020, Leitmesse für den gesamten Außer-Haus-Markt, wurde abgesagt. Wir hätten dort unsere neue Produktgeneration erstmals ausgestellt und einem internationalen Fachpublikum präsentieren können. Das war natürlich eine bittere Nachricht. Ob wir das im nächsten Jahr nachholen können, steht derzeit noch in den Sternen.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf euren Arbeitsalltag?

Die gesamte Homeoffice-Situation hat auch ihre Vorteile. Im Vertrieb ist es für uns z.B. viel leichter und effizienter unsere Live-Demo im Call zu präsentieren. Zudem sind alle Entscheider, die sonst über mehrere Standorte in Deutschland verteilt sind, per Video-Call anwesend und haben den gleichen Kenntnisstand, können direkt beraten und entscheiden wie die nächsten Schritte aussehen.

Vor zwei Wochen waren wir zu einem Live-Termin beim Kunden vor Ort, der sich aufgrund der Corona-Abstandsregelung recht umständlich gestaltete. Ein Team von insgesamt 10 Leuten wollte und sollte unser Unternehmen kennenlernen. Dies bedeutete für mich, das ich über vier Stunden in Dauerschleife jeden einzeln hintereinander gesprochen habe und ihm mehr der weniger das Gleiche erzählt habe. Das war schon irgendwie verrückt. Aber da dieses Projekt konkreter wurde und es der ausdrückliche Wunsch des Kunden war, sich persönlich kennenzulernen, haben wir es natürlich gerne gemacht.

Die Corona-Krise wird Deutschland und die Welt noch viele Monate beschäftigen. Wie blickt eurer Unternehmen in die Zukunft?

Wir sind motiviert und optimistisch. Wie bereits zu Beginn der Krise gehen wir alles step by step an. Wir passen unsere Pläne an, wenn es die Situation und Umstände erforderlich machen. Und wir lösen die Probleme, wenn sie da sind. Bisher sind wir mit dieser Einstellung gut gefahren.

Vielen Dank an Mitgründer Felix Schweikhardt für das Interview.

HQS Quantum Simulations

Kerngeschäft: HQS Quantum Simulations entwickelt Software zur Simulation von Molekülen und Materialien, die perspektivisch auf Quantencomputern beschleunigt werden kann.
Gründungsjahr: 2017 – Teamgröße: > 20

Der Lockdown war Ende März. Wie hat sich das Verhältnis Homeoffice zu Büropräsenz bis heute dargestellt? Kann und konnte euer Team noch voll arbeiten?

Ja, wir konnten alle voll arbeiten und mussten zum Glück keine Kurzarbeit anmelden. Mit dem Lockdown sind wir alle sofort ins Homeoffice, was technisch kein Problem war, da unser Team schon vorher die Möglichkeit hatte, im Homeoffice zu arbeiten. Bis Stand heute sind etwa sechs Mitarbeiter im Büro und alle anderen befinden sich noch im Homeoffice. Das sind vor allem Teammitglieder, die zuhause eine sehr schlechte Internetverbindung haben. Diese konnten bereits ab Ende April wieder ins Büro.

Unser Büro ist in der Technologiefabrik, die selbst sehr gute Vorkehrungen getroffen hat mit Desinfektionsmittelspender, keine Aufzugbenutzung, nur Schlüsselbesitzer dürfen ins Gebäude, Besucher dürfen nur mit Anmeldung und Erlaubnis des Empfangs hinein.

Gerade sitzt jeder in einem Einzelbüro und nimmt auch dort an den Zoom-Besprechungen teil. Seit neustem finden auch wieder Face to Face Meetings statt mit zwei bis drei Personen, die dann in unserem großen Besprechungszimmer mit genügend Abstand sitzen. Bis zum Ende der Sommerferien gilt bei uns aber die Regelung, dass Homeoffice Standard ist und alles andere die Ausnahme.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf eure tägliche Arbeit?

Eigentlich hat sich nur das Arbeiten miteinander durch das Homeoffice verändert. Aus Sicht der Geschäftsführung funktioniert das Homeoffice super, auch technisch. In vielen Punkten sind wir dadurch sogar effizienter geworden. Jeden Morgen haben wir einen 15-minütigen Video-Call der ganzen Firma, da sehen oder hören wir uns alle kurz. Das ist wichtig.

Auch unser wöchentliches Productmeeting hat sich positiv verändert. Hier interagieren wir in kleinen Gruppen, die in engem Kontakt miteinander stehen, was den einzelnen Mitarbeitern gut tut. Früher haben wir zu diesen Meetings einen groben Fahrplan aufgestellt. Jetzt definieren wir klare Zeitslots für den Tag und sind somit effizienter. Das wollen wir auf jeden Fall für die Zukunft weiterführen.

Noch ein Vorteil der aktuellen Situation, wir Gründer können jetzt mehr arbeiten, da wir nicht ständig so oft unterwegs sind, um beispielsweise auf Konferenzen Vorträge zu halten. Viele Veranstaltungen und Tagungen wurden für dieses Jahr abgesagt oder finden digital statt und das können wir ohne großen Zeitaufwand umsetzen.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf eure Auftragslage?

Unsere Arbeit gliedert sich in drei Säulen. Zwei davon, unsere eigene Forschung und die Forschung im Rahmen von Förderprojekten, laufen wie gewohnt weiter. Nur bei den Kundenprojekten in der Chemiebranche spüren wir die Veränderung. Abgesprochene Folgeprojekte für April und Mai wurden jetzt zeitlich hinausgezögert. Generell ist das Verhalten im Moment recht zögerlich, verständlicherweise warten viele lieber ab und schauen, wie sich die Lage entwickelt. Daher rechnen wir für 2020 mit weniger Kundenprojekten als wir eigentlich geplant haben und stecken die Kapazität unserer Mitarbeiter stattdessen mehr in die Entwicklung, um die Software zu schreiben, die wir für zukünftig Kundenprojekte brauchen werden.

Wo wir wirklich umplanen mussten, war die Vermarktung unserer neuen Plattform QAD. Diese wollten wir in diesem Jahr auf verschiedenen Konferenzen und Kongressen dem dortigen akademischen Umfeld vorstellen und testen lassen. Anfang März waren dafür fünf Teammitglieder in die USA geflogen, um die Plattform auf einer Physikerkonferenz erstmals zu präsentieren. Wenige Stunden nach der Landung erhielten sie die Info, dass die Konferenz wegen Corona abgesagt wurde. Also Flüge umbuchen und wieder zurück nach Deutschland, was Anfang März glücklicherweise noch problemlos über die Bühne ging. Die Aufgaben der dafür eingestellten Business Developerin mussten umstrukturiert und die Strategie geändert werden. Aber jetzt sind wir durch die Anpassung gut aufgestellt und die erste Testphase läuft.

Wie haltet ihr den Teamspirit trotz Homeoffice und Social Distancing aufrecht?

Der Daily Zoom Chanel wird nachmittags für die frühere Kaffeepause genutzt. Hier können sich die Kollegen privat und projektunabhängig austauschen. Vor Corona sind wir zudem alle zwei Wochen, nach einem Sprint abends essen oder etwas Trinken gegangen. Das versuchen wir jetzt ab und zu auch digital umzusetzen. Alle sitzen dann mit ihrem Getränk vor ihrem Laptop und stoßen virtuell miteinander an.

Außerdem versuchen wir ein offenes Ohr für die Situation unserer Mitarbeiter zu haben. Als ich beispielsweise aus meinem dreimonatigen Mutterschutz zurückgekommen bin, habe ich mit Teammitgliedern in meinem Team ein persönliches Gespräch geführt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo alle stehen und wie es jedem einzelnen geht

Die Corona-Krise wird Deutschland und die Welt noch viele Monate beschäftigen. Wie blickt eurer Unternehmen in die Zukunft?

Wir bleiben zuversichtlich und tasten uns vorsichtig durch die kommenden Monate. Bestehende Forschungsprojekte laufen weiter, das Team bleibt in seiner Größe bestehen. Mit Neueinstellungen wollen wir noch ein paar Monate abwarten. Wir gehen trotzdem mit Initiativbewerbern in die Gespräche und schauen, ob und wie es passen könnte. Als Start-up ist die Zukunft ja generell etwas ungewisser und die Arbeitsmethoden und Umstände sind flexibler und entwickeln sich dynamisch.

Ich hoffe einige positive Entwicklungen bleiben auch bestehen, wenn wir alle wieder in unseren normalen Arbeitsalltag zurückgekehrt sind. Gut finde ich hier z.B. dass die Update Meetings mit den Kunden problemlos ins Digitale übertagen werden konnten, da man sich ja kennt. Das kann auch in Zukunft gerne so bestehen bleiben.

Vielen Dank an Mitgründerin Dr. Iris Schwenk für das Interview.

memetis

Kerngeschäft: memetis hat sich auf die Entwicklung und Fertigung von folienbasierten Miniatur-Aktoren aus Formgedächtnislegierung (FGL) spezialisiert. Einsatz findet diese Technologie vor allem im Bereich der Medizintechnik und Bioanalytik.
Gründungsjahr: 2017 – Teamgröße: > 10

Der Lockdown war Ende März. Wie habt ihr rückblickend reagiert?

Gefühlt haben wir damals langsam reagiert, aber rückblickend betrachtet war es dann doch sehr schnell und effizient. Wir konnten technisch schnell auf Homeoffice umstellen, da alle Tools bereits dafür vorhanden waren. Wer nicht zwingend im Labor arbeiten musste war im Homeoffice. Wir haben Schilder für das richtig Hände waschen aufgehängt, es gab genügend Seife und Desinfektionsmittel. Wir haben Wochenpläne erstellt, wer wann und wo im Büro eingeteilt ist, damit möglichst wenig Personen gemeinsam in den unterschiedlichen Räumen der Firma sind. So konnten wir den operativen Betrieb bisher ohne Probleme aufrecht erhalten.

Konnte euer Team noch voll arbeiten?

Ab April mussten wir 50% in Kurzarbeit gehen, da es einfach zu wenig Projekte gab. Auch unsere Hiwis mussten pausieren. Zwar hatten wir Ende März unglaublich viele Sales Meetings, teilweise sechs am Tag, aber konkrete Aufträge zu bekommen und abzuschließen war schwierig. Die allgemeine Lage war und ist sehr angespannt und abwartend.

Seit Mai haben wir wieder auf 80% aufgestockt, was vier Tage Vollzeit bedeutet. Dabei ist es wichtig, dass montags (Planungsrunde) und freitags (Retro-Runde) gearbeitet wird, damit alle Teammitglieder inhaltlich am Ball bleiben. Im Juni startete auch wieder ein neuer Hiwi im Team. Den Krisenmodus wollen wir jedoch so lange beibehalten bis sich die Projektlage wieder spürbar verbessert. Dies könnte bereits im Juli soweit sein.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf eure Auftragslage?

Das Jahr 2020 sollte für uns ein Wendepunkt werden. 2019 haben wir erfolgreich am Markteintritt gearbeitet und nur einen Teil der Aufträge wirklich bereits realisieren können, da wir auch für 2020 akquiriert haben. Wir wollten 2020 unseren Jahresumsatz verdreifachen. Von Januar bis März liefen 80% unserer Arbeitskapazität auf Kundenprojekten. Wir hatten gut ½ Mio. Euro Auftragsvolumen abzuwickeln und waren hoch motiviert. Dann kam der Lockdown und ab April keine Neuprojekte dazu. Die bereits bestehenden Aufträge für den Zeitraum blieben aktiv, verzögerten sich aber zum Teil um drei Monate, z.B. wegen Werksschließungen bei einzelnen Kunden. Mit Start Mai hatten wir alle laufenden Kundenprojekte abgewickelt oder aber zeitlich verschieben müssen.

Stand heute fließen 60% unserer Kapazität in unsere Produktentwicklung sowie in Förderprojekte. Die restlichen 20-40% benötigen wir für Kundenprojekte und Fertigung, damit sind wir weit von unserer eigentlichen Jahresplanung entfernt. Natürlich könnte alles besser sein und es gibt keinen Grund zu feiern, aber im Grunde geht es uns gut.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf euren Arbeitsalltag und das Miteinander im Team?

Ich muss sagen, dass die soften Sozialkontakte im Team über die letzten Monate etwas gelitten haben. Anfangs war die direkte Zusammenarbeit im Team sogar besser, da wir einen strukturierten Diskurs hatten, mit meist drei Touch Points über den Tag verteilt. So hatten wir einen engen Austausch innerhalb eines jeden Projekts. Gegen Ende der Krisenzeit sind die Touch Points auch oft für einen kurzen Kaffeeklatsch genutzt worden, was ja auch mal okay ist. Wir versuchen unsere Mitarbeiter*innen zu halten und ihnen eine gute Work-Life-Balance zu ermöglichen, wenn wir schon Kurzarbeit haben müssen.

Insgesamt kann ich sagen, dass die Prozesse, Kommunikation und Abstimmung enger und straffer waren und dadurch effizienter. Die Bereitschaft für ein hohes Maß an Flexibilität war groß sowie die Akzeptanz für die notwendigen Maßnahmen seitens der Geschäftsführung.

Die Corona-Krise wird Deutschland und die Welt noch viele Monate beschäftigen. Wie blickt eurer Unternehmen in die Zukunft?

Mittelfristig blicken wir optimistisch in die Zukunft aus zwei Gründen. Erstens haben wir eine fertige Produktlinie für Miniaturventile, die auch perfekt für automatisierte tragbare Lösungen in der Diagnostik einsetzbar ist. Die Nachfrage danach ist jetzt erst klar geworden. Die Gesundheitsbranche hat durch Corona noch einmal einen neuen Stellenwert bekommen und es wird zukünftig mehr in die Ausstattung von Krankenhäusern investiert werden. Unser Produkt würde dann zum Beispiel Anwendung in einem tragbaren Covid-19-Diagnosegerät finden können. Diese Testgeräte bestehen aus einem Fluidsystem. Vereinfacht gesagt, würden unsere Ventile dafür sorgen, dass die Flüssigkeiten richtig gesteuert werden. Daran arbeiten wir gerade.

Der Zweite Grund für unseren Optimismus ist die Tatsache, dass wir derzeit mit vier Ventilherstellern über eine strategische Kooperation sprechen. Dieser erfahren derzeit eine enorm gesteigerte Nachfrage aus dem Märkten „Medical“ und „Analytical“. Hier passen unsere Ventile ausgezeichnet zu einer Vielzahl an Anwendungen. Daher sind diese Hersteller auch an einer Zusammenarbeit mit memetis interessiert. Wir sind zuversichtlich, dass die Gespräche weiterhin gut und zielführend sind.

Vielen Dank an Mitgründer Christoph Wessendorf für das Interview.

 

Für unsere erste Ausgabe “Corona Schlaglichter” haben wir mit den Teams von AppointrixINERATEC und Twinvay gesprochen. Hier geht´s zu den Interviews >>

Superhirn der Zukunft

HQS Quantum Simulations entwickelt Ideen, um Quantencomputer für den Einsatz in der Medizin- oder Energieforschung markttauglich zu machen.

HQS_Team

Das Team von HQS: Dr. Michael Marthaler, Dr. Jan Reiner, Dr. Iris Schwenk und Dr. Sebastian Zanker entwickeln Software, mit der Unternehmen Quantencomputer simulieren und später nutzen können.

Quantencomputer gelten als Wundermaschinen, die auf ganz andere Weise rechnen als herkömmliche Computer. Sie sollen in Zukunft immer wichtiger werden und komplexe Aufgaben in null Komma nichts lösen. Hier kapitulieren sogar bisherige Supercomputer – gewaltige Rechenanlagen, welche ganze Räume füllen. An den komplexen Quantencomputern wird weltweit geforscht. Insbesondere Google, IBM, Intel und Microsoft sind in diesem Feld aktiv. Aber auch in Karlsruhe wird mit Hochdruck daran gearbeitet. Das Spin-off HQS Quantum Simulations des KIT entwickelt Programme, die die neue Prozessor-Generation nutzen.

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