Home » Gründerstories » Automatisierung abseits der Masse

Automatisierung abseits der Masse

Mit einem intelligenten Modulbaukasten macht die KIT-Ausgründung robodev GmbH Automatisierung für die Produktion und Montage kleiner Stückzahlen rentabel.

Robotergestützte Automatisierung boomt. Gerade in der Automobilbranche sind moderne Industrieroboter kaum mehr wegzudenken: Vom Stanzen einzelner Bleche bis hin zur fertigen Karosse werden ganze Automatisierungsstraßen zum Teil komplett ohne menschliches Eingreifen betrieben. Dass sich gerade die Automobilindustrie zum Musterknaben in diesem Bereich entwickelt hat, ist kein Zufall. Anders als in vielen anderen Branchen handelt es sich in der Regel um extrem hohe Stückzahlen, die alle nach dem exakt gleichen Schema produziert werden müssen. „Die Kosten für eine einfache Automatisierungslösung belaufen sich auf mindestens 80.000 Euro. Bei geringen Stückzahlen unter 10.000 Stück pro Monat amortisiert sich diese Investition meist nicht. Knapp 75 Prozent der Prozesse in produzierenden Unternehmen in Deutschland sind daher manuell bzw. nur gering automatisiert“, so Dr. Andreas Bihlmaier, Mitgründer der robodev GmbH.

Die Gründer von robodev (v.l.n.r.): Dr. Julien Mintenbeck, Dr. Jens Liedke und Dr. Andreas Bihlmaier.

Die Gründer von robodev (v.l.n.r.): Dr. Julien Mintenbeck, Dr. Jens Liedke und Dr. Andreas Bihlmaier.

Während seiner Promotion am Institut für Prozessrechentechnik, Automation und Robotik (IPR) des KIT beschäftigte Bihlmaier sich mit der Frage nach den Kostentreibern und kam zu dem Schluss, dass besonders die Integrationskosten zu Buche schlagen. Diese entstehen, wenn speziell ausgebildete Ingenieure tagelang – zum Teil sogar über mehrere Wochen – damit beschäftigt sind, Automatisierungslösungen im Unternehmen zu integrieren. Gemeinsam mit seinen Mitgründern Dr. Julien Mintenbeck und Dr. Jens Liedke, die ebenfalls am Institut promovierten, packte ihn der Ehrgeiz, eine innovative Lösung für die wirtschaftliche Produktion und Montage kleiner Stückzahlen zu entwickeln: Ein System mit vernetzten Modulen, die ähnlich einem Baukasten flexibel kombiniert und innerhalb kürzester Zeit betriebsintern an das jeweilige Produkt oder den individuellen Prozess angepasst werden können, womit sich der Einsatz auch bei geringen Stückzahlen lohnt.

robodev verbindet Hardwarekomponenten mit einer ausgeklügelten Softwaresteuerung zu einem einheitlichen, einfach nutzbaren System, für dessen Aufbau und Inbetriebnahme kein Experte benötigt wird. „Eine ein- bis zweitägige Schulung genügt vollkommen“, so der Entwickler Bihlmaier. Abhängig von den jeweiligen Anforderungen reicht das Spektrum nutzbarer Komponenten von einfachen Sensoren und Aktoren bis hin zu anspruchsvoller Bilddatenauswertung und Robotikanwendungen.

Aufgrund des großen Zuspruchs, den die drei Gründer sowohl am Institut, als auch von Partnern aus der Industrie erhielten, entschieden sie sich Anfang 2015 für die Teilnahme an der Spring School – Entrepreneurship for Researchers des KIT, bei der sie sich erstmals mit Finanzierungsfragen und dem Schutz geistigen Eigentums beschäftigten. „Der erste Schritt in Richtung Unternehmensgründung“, stellt Bihlmaier rückblickend fest. Es folgte die Teilnahme am KIT-Accelerator upCAT, bei dem das Team die Geschäftsidee weiter konkretisierte. Gemeinsam mit Mentoren analysierten die angehenden Unternehmer Bihlmaier, Mintenbeck und Liedke den riesigen Markt, der ihrer Geschäftsidee zugrunde lag. Geholfen haben dabei vor allem der Austausch mit anderen Gründern, aber auch Gespräche mit den Beratern des Center for Interdisciplinary Entrepreneurship, kurz CIE, und der KIT-Gründerschmiede.

Obwohl alle vom Gründerteam am selben Institut promovierten, bringen sie das Hintergrundwissen unterschiedlicher Fachrichtungen mit, was sich auch in der internen Organisation widerspiegelt. Der studierte Informatiker Bihlmaier ist bei robodev für die Softwareentwicklung zuständig, Mintenbeck hat Elektrotechnik und Mechatronik studiert und verantwortet nun den Bereich Elektronik. Der Maschinenbauer Liedke betreut hingegen sämtliche Themen aus den Bereichen Mechanik und Antriebstechnik. „Diese Interdisziplinarität hilft uns dabei, aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf unser Business zu blicken, was bei der Entwicklung einer integrierten Lösung von großer Wichtigkeit ist“, so Bihlmaier. „Dennoch mussten wir uns zu Beginn vielen Herausforderungen stellen. Etwa der Frage nach der Finanzierung des Unternehmens. Inzwischen haben wir eine andere Sicht auf die Dinge entwickelt. Nun stehen weniger technische Raffinessen im Vordergrund, sondern betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte.“

Aktuell hat robodev mehrere Pilotprojekte sowohl mit mittelständischen Betrieben, als auch mit Großbetrieben vereinbart. Darüber hinaus haben die Gründer mit Staufen.Digital Invest einen namhaften Investor mit Fokus auf Technologie- und Softwareunternehmen gefunden. Für die nächsten Monate plant das Team, die Räume im Institut zu verlassen und eigene Geschäftsräume zu beziehen und auch die Zahl der Mitarbeiter zu erhöhen. „Wir wollen die Erfahrungen der ersten Pilotprojekte nutzen, um das Unternehmen weiterzuentwickeln und sukzessive im deutschen Markt zu etablieren“, so Bihlmaier.

robodev_system_2017_700pxBREIT

Ein intelligenter Modulbaukasten ermöglicht eine betriebsinterne Anpassung des Systems innerhalb kürzester Zeit.

KONTAKT

Dr. Andreas Bihlmaier
robodev GmbH
Engler-Bunte-Ring 8
76131 Karlsruhe

info@robodev.eu
www.robodev.eu

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>