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Gründer des Monats Juli: GoSilico GmbH

gosilico_Logo_229x71Das KIT-Spin-off GoSilico entwickelt eine Software zur computergestützten Prozessentwicklung in der Biopharma-Branche. Mithilfe ihrer Simulations-Technologie können Unternehmen Experimente innerhalb weniger Sekunden auf dem Rechner abbilden. Wir haben die Gründer der GoSilico GmbH im Interview zu der Idee, der Gründungszeit und den Zukunftsaussichten befragt.

Das Gründerteam von GoSilico: Prof. Dr. Jürgen Hubbuch, Dr. Teresa Beck, Dr. Tobias Hahn und Dr. Thiemo Huuk (v. l. n. r.)

Wofür steht Ihr Unternehmen?

Schluss mit Experimenten. Computergestützte Methoden für die Biotechnologie. GoSilico hat es sich zum Ziel gesetzt, die Biopharma-Branche auf dem bevorstehenden Paradigmenwechsel von experimenteller hin zu einer computergestützten Prozessentwicklung zu begleiten.

Unsere Simulations-Technologie ermöglicht es Biopharma-Unternehmen, Experimente in Sekunden auf dem Rechner abzubilden, was im Labor sonst Tage bis Wochen dauern würde. Unsere Kunden profitieren davon auf vielen Ebenen. Beispielsweise durch verkürzte Entwicklungszeiten, ein tiefergehendes Prozess-Verständnis und die Erfüllung von stetig wachsenden regulatorischen Anforderungen.

Neben unserem Kernprodukt, der Simulations-Software ChromX, bietet GoSilico Trainings, um den Kunden einen leichten Einstieg in unsere Technologie zu ermöglichen. Durch eine gezielte Beratung und Erstellung von Prozessmodellen ebnen wir der Pharma-Branche den Weg in die Zukunft.

Wo und wie kam Ihnen die zündende Idee zur Gründung?

Die Entwicklung der GoSilico-Technologie begann bereits ab 2012 während der Promotionszeit von Tobias und Thiemo in der Arbeitsgruppe von Prof. Hubbuch am KIT. Hierbei entstand bereits eine enge Zusammenarbeit mit namhaften Pharmaunternehmen. Im Zuge des stetig zunehmenden Reifegrades der Technologie und Produktanfragen aus der Industrie befassten wir uns dann 2015 intensiv mit der Frage nach der Zukunft der entwickelten Technologie. Rückblickend war es also eher ein kontinuierlicher Reifeprozess, als ein einzelner „zündender Moment“.

Wie hat sich Ihr Gründungsteam zusammengefunden?

Wir sind ein interdisziplinäres Team von Biotechnologen und Mathematikern. Thiemo und Tobias haben gemeinsam im Bioingenieurwesen promoviert, Teresa in der Mathematik an der Uni Heidelberg. Tobias und Teresa arbeiteten vor unserer Promotion beide in der gleichen Arbeitsgruppe in der angewandten Mathematik. Durch die gemeinsame Arbeit an einer Open-Source Software blieb der Kontakt in den Jahren der Promotion dann weiterbestehen. Was Tobias und Thiemo mit der Software ChromX auf die Beine gestellt hatten, fand Teresa sehr spannend. Als dann irgendwann die Frage anstand, was ihr Plan nach der Promotion wäre, zögerte sie nicht lange…

Worin sehen Sie die Vorteile, Ihr eigener Chef zu sein?

Es ist ein tolles Gefühl, seine eigenen Ideen in die Tat umsetzen zu können. Natürlich erfordert es auch einiges an Disziplin, wenn man von der Entwicklung von Ideen, über deren Umsetzung, bis zur kritischen Reflexion für alles Verantwortung trägt. Diese Verantwortung und das selbstbestimme Handeln macht für uns das „Chef sein“ aus.

Toll ist natürlich auch, dass man laufend Fortschritte erzielt: Es begeistert uns täglich aufs Neue, wie schnell man durch das fokussierte, eigenverantwortliche Arbeiten in einem Start-up vorankommen kann.

Welche Eigenschaft sollte man aus Ihrer Sicht als Gründer mitbringen?

Es kommt weniger auf eine einzelne Eigenschaft eines Gründers an, sondern eher auf die richtige Mischung von Skills im Team. Natürlich muss jeder auf seine eigene Art seine Begeisterungsfähigkeit auf Kunden oder Partner übertragen können und natürlich gehört zum Gründer-Sein auch eine Portion Entschlossenheit dazu.

Darüber hinaus muss man sich in kurzer Zeit viele neue Eigenschaften bzw. Fähigkeiten aneignen können. Ein Start-up hat so vielfältige Anforderungen, dass diese wahrscheinlich nie von Anfang an perfekt ausgeprägt sind.

Schlussendlich kommt es darauf an, die Herausforderungen als Team zu meistern: Sei es eine kreative und visionäre Atmosphäre zu schaffen und dann aber auch wieder sehr fokussiert und ziel-orientiert zu Arbeiten.

Wo sehen Sie die Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen? Wo haben Sie sich Unterstützung geholt?

Wir kommen alle drei aus dem akademischen Umfeld und haben die letzten Jahre in typisch akademischen Muster gedacht. Den Übergang von wissenschaftlicher Perfektion hin zu einem gewissen problemorientierten Pragmatismus zu meistern ist dabei nicht zu unterschätzen.

Vor einiger Zeit haben wir zum Beispiel vor einer Fachjury gepitcht, und kamen dabei auf unsere persönliche Schwachstelle „Vertrieb“ zu sprechen. Unser höchst akademischer Plan war es, „zunächst eine Vertriebs-Strategie zu entwickeln, diese anhand von Testkunden zu erproben, gegebenenfalls in mehreren Iterationen zu optimieren und anschließend zu etablieren.“ Die Jury sah uns nur völlig irritiert an: „Ihr müsst nichts etablieren, ihr müsst einfach nur verkaufen!“.

Bei diesem Übergang hat uns die Teilnahme am upCAT-Programm von CIE und KIT-Gründerschmiede – und insbesondere Gerda Frank – sehr weitergeholfen. Nicht zuletzt sind das CyberForum und unser Business-Mentor Frank Roth zu nennen, die uns zur Seite stehen und unterstützen.

Wie sind Sie in der Gründungsphase mit dem höheren Arbeitsaufwand umgegangen?

Klar, zunächst einmal ist wahnsinnig viel zu tun. Ehrlich gesagt merkt man das aber gar nicht so richtig. Das Arbeiten in einem Start-up ist sehr ergebnisorientiert. Dabei ist es dann egal ob man die PowerPoint Slides lieber im Büro, zu Hause oder im Park erstellt. Diese Freiheit hilft uns sehr dabei den phasenweise erhöhten Workload mit dem Privatleben in Einklang zu bringen. Und ein Team-Bier auf der Terrasse kann dann auch schon mal einen arbeitsreichen Tag in einem lockeren „Meeting“ ausklingen lassen.
Und wenn sich dann doch mal wer in zu viel Arbeit verrennt, muss man als Team auf sich gegenseitig Acht geben und sich eher noch mal über die Priorisierung von Aufgaben Gedanken machen. Der Tag hat schlussendlich nur 24h, daran wird man nichts ändern können.

Haben Sie Tipps für andere junge Unternehmensgründer?

Rausgehen und reden. Und zuhören! Diskutiert Euer Geschäftsmodell am besten unter möglichst vielen Perspektiven. Dazu ist es sehr hilfreich, mit Leuten aus den unterschiedlichsten Kreisen zu reden: andere Gründer, Business-Mentoren, potentielle Kunden, etc… Jeder neue Blickwinkel bringt mehr Licht auf Eure Idee!

Und ganz wichtig: „Done is better than perfect.“

Kurzübersicht

  • Gründer: Teresa Beck, Tobias Hahn, Jürgen Hubbuch, Thiemo Huuk
  • Gründung: 2016
  • Homepage: www.gosilico.com
  • Kontakt: info@gosilico.com
  • Branche: Software- und Informationstechnologie

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