Home » Gründer des Monats » Gründer des Monats März:
ArtiMinds Robotics GmbH

Gründer des Monats März:
ArtiMinds Robotics GmbH

Artiminds Robotics_Logo_180Industrieroboter bieten riesiges Anwendungspotenzial. Komplexe Bewegungsmuster machen die Programmierung der Roboter allerdings so aufwändig, dass sich der Einsatz aus ökonomischen Gesichtspunkten oftmals nicht lohnt. Das KIT Spin-off ArtiMinds Robotics hat daher eine Software entwickelt, mit der die Programmierung deutlich schneller und intuitiver funktioniert. Wir haben das Team von ArtiMinds im Interview zu der Idee, der Gründungszeit und den Zukunftsaussichten befragt.

 

Artiminds_Team_460x275

Gründerteam der ArtiMinds Robotics GmbH

Wofür steht Ihr Unternehmen?

Hochflexible Roboteranwendungen, bei denen Industrieroboter Kraftsensoren und/oder Kameras nutzen, um sich an Prozessvarianzen anzupassen, waren bisher nicht schnell und intuitiv einzurichten. Mit unserem Softwareprodukt ArtiMinds Robot Programming Suite (RPS) ist dies nach Messung externer Industrieexperten nun bis zu 100x schneller möglich. Dabei unterstützt unsere Software verschiedene Roboterhardware in unmodifizierter Form und fügt sich nahtlos in akzeptierte Arbeitsabläufe ein. Damit werden unzählige neue Anwendungen für Industrieroboter in fast allen produzierenden Branchen, sowie in Logistik und Laborbetrieb möglich. Die Hälfte der deutschen Top10 Industriekonzerne sind nun schon Kunden, aber auch einige kleinere deutsche Mittelständler. Im Ausland wird unsere Software ebenfalls eifrig verkauft. Wir expandieren nun rapide unser weltweites Vertragshändlernetzwerk. 2015 wählte uns eine Expertenjury im Silicon Valley zum „Best European Startup“ der Robotik.

Wo und wie kam Ihnen die zündende Idee zur Gründung?

Die Vision für die Gründung bestand schon seit über 10 Jahren, die Basis wurde bereits seit 2002 mit der Forschungsarbeit geschaffen. Mit den technologischen Durchbrüchen im Gründerteam zwischen 2007 und 2012, sowie entsprechenden Diskussionen mit der Industrie materialisierte sich die Produktvision schließlich konkret. Es ist eigentlich schon seit 30 Jahren bekannt, dass unser Thema für die gesamte Automatisierungsbranche ein Schlüsselaspekt ist. Die technischen Details sind dagegen ungeheuer komplex, dessen Grundverständnis wir uns ein Jahrzehnt lang erarbeitet haben. Man kann also nicht von einer „zündenden Idee“ sprechen, sondern viel mehr von einem langem Weg hin zu einer funktionierenden, technischen Lösung eines ganz offensichtlichen Problems auf dem Markt.

Roboter

Industrieroboter, die mit der Software der ArtiMinds Robotics GmbH programmiert wurden

Wie hat sich Ihr Gründungsteam zusammengefunden?

Sven und Simon saßen 2003 zusammen in der Entrepreneurship-Vorlesung von Prof. Reinhold Würth am KIT und beschlossen, „später mal“ ein Unternehmen im Bereich Robotik zu gründen. Auch wenn vorher schon dieser Wunsch bestand, sehen wir die KIT-Veranstaltung als einen wichtigen Zwischenimpuls auf dem Weg zur tatsächlichen Gründung. Rainer, Gerhard und Sven lernten sich ab 2007 am KIT-Institut für Anthropomatik bei der Forschungsarbeit kennen. Studien belegen, dass Gründerteams, die im Vorfeld schon viele Jahre professionell zusammengearbeitet haben, am stabilsten und erfolgreichsten sind. Wir können das aus eigener Erfahrung bestätigen: man hat einfach die Erfahrung, sich gegenseitig einzuschätzen, zu kommunizieren, zu vertrauen und Aufgaben optimal nach Neigung und Talent zu verteilen. Das KIT bietet – neben der umfangreichen allgemeinen Technologieausbildung – ein tolles Umfeld, in dem sich wissenschaftliche und studentische Mitarbeiter über viele Jahre kennenlernen können, um anschließend starke Gründerteams zu bilden.

Worin sehen Sie die Vorteile, Ihr eigener Chef zu sein?

Statt wie in den meisten etablierten Firmen mindestens die Hälfte der Zeit „Politik machen“ zu müssen, kann man sich bei einer Gründung ganz auf das Machen und Gestalten konzentrieren. Das ist auch der Hauptgrund, warum Gründungen trotz der Nachteile in den Bereichen Kapital, Bekanntheit, Kundenbeziehungen und -verständnis, Marktvertrauen u.ä. doch erfolgreich sein können: Sie sind einfach viel effizienter, weil sich vorrangig mit der Sache beschäftigt wird und nicht mit den typischen Spielereien in größeren Organisationen.

Welche Eigenschaft sollte man aus Ihrer Sicht als Gründer mitbringen?

Man kann jetzt hier sehr viele aufzählen, aber nehmen wir uns doch einen oft vergessenen Aspekt heraus: Intellektuelle Unabhängigkeit ist die wichtigste Eigenschaft eines Gründers. Nur wer Dinge sehen kann, die fast niemand sieht, wer sich gegen die vorherrschende Meinung durchsetzen kann und Zweifler überzeugt, wird großen Erfolg als Unternehmer haben. Natürlich muss man dabei die Umgänglichkeit beibehalten – und das nicht nur im Gründerteam und gegenüber den Mitarbeitern, sondern auch gegenüber allen externen Stakeholdern.

Software für Spreizbolzen

Software für Spreizbolzen

Wo sehen Sie die Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen? Wo haben Sie sich Unterstützung geholt?

Rückblickend sehen wir das Marktvertrauen als die zentrale Hürde. Da leider immer wieder ‚Luftnummern‘ im Markt unterwegs sind, sind Industriekunden verständlicherweise sehr vorsichtig, bei Geschäften mit jungen Unternehmen im Bereich neuer Technologien aufzunehmen. Das Fragentrio „Wie lange gibt es Sie schon?“, „Wie viele Mitarbeiter haben Sie?“ und „Wer setzt Ihr Produkt schon ein?“ verfolgt uns noch heute. Daraus resultiert beim Markteintritt ein ‚Henne-Ei-Problem‘, das zu durchbrechen selbst mit einem herausragenden Produkt eine große Herausforderung darstellt. Es erfordert viel Durchhaltevermögen und Überzeugungsstärke, entsprechende Marktteilnehmer zu finden, die sich früh aus der Deckung wagen und als Fürsprecher gegenüber anderen auftreten. Nichts befeuert das Geschäft in den frühen Tagen besser als die Weiterempfehlung durch einen jahrzehntelang respektierten Marktteilnehmer.

Wie sind Sie in der Gründungsphase mit dem höheren Arbeitsaufwand umgegangen?

Effiziente Organisation, d.h. rigorose Aufgabenaufteilung und regelmäßige Kommunikation, sowie Exzellenz in der Arbeit, d.h. Qualität statt Quantität, waren schon immer unsere Paradigmen. In unserer Firma wird quasi immer pünktlich Feierabend gemacht. Leider halten sich in der Start-up-Szene immer noch diverse Legenden, dass viel Arbeit zu viel Erfolg führe. Aber das ist zumindest im echten Hochtechnologiebereich definitiv nicht richtig – nicht mehr Arbeit führt zu mehr Erfolg, sondern intelligentere, effizientere Arbeit. Eigentlich sollte jedem klar sein, dass ein erschöpfter Geist weder kreativ noch urteilsfähig ist, aber erstaunlicherweise wird das gerne übersehen. Im Umkehrschluss sollte man ständig daran feilen, alle Prozesse und Handlungen immer weiter zu verbessern und effizienter zu gestalten.

Messe_460

Das Team von ArtiMinds auf der Motek 2015 in Stuttgart

Haben Sie Tipps für andere junge Unternehmensgründer?

Informationen sammeln und individuell lernen. Auf keinen Fall blind nachmachen oder nachahmen, was andere sagen oder tun. Sondern ständig reflektieren, warum etwas läuft oder nicht läuft, wie es das tut, was die entsprechenden Interessen der Leute sind, die etwas sagen oder tun und es selber besser machen. Der eigene Anspruch sollte sein, ständig zu optimieren – d.h. immer in Bewegung bleiben, denn der Markt verzeiht keinen Stillstand!
Abschließend bleibt noch zu sagen, dass Menschen eine Firma ausmachen und nicht abstrakte Technologien. Das heißt, die Mitarbeiter und die Firmenkultur müssen im Zentrum allen Handelns stehen. Menschen und ständige Bewegung: Das ist Unternehmertum – und das ist kein „Job“, sondern das pure Abenteuer Leben selbst!

Kurzübersicht:

  • Gründer: Sven Schmidt-Rohr (CEO), Rainer Jäkel (CTO), Gerhard Dirschl (SVP Engineering), Simon Fischer (SVP Sales)
  • Gründung: 2013
  • Homepage: www.artiminds.com
  • Kontakt: contact@artiminds.com
  • Branche: Software & Informationstechnologie

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>