Home » Gründer des Monats » Gründer des Monats Mai: Falquez, Pantle und Pritz GbR

Gründer des Monats Mai: Falquez, Pantle und Pritz GbR

Nuberisim_Logo_RGB_150_ppiDas Unternehmen Falquez, Pantle und Pritz GbR bietet Software-as-a-Service für Strömungs- und Lärmprognosen in der technischen Geräteentwicklung. Mithilfe der cloud-basierten Plattform NUBERISIM lassen sich komplexe Hochleistungssimulationen ganz einfach via Browser ansteuern und bedienen. Potenzielle Lärmquellen werden so bereits während der Produktentwicklung erkannt, Maßnahmen zur Lärmminimierung können rechtzeitig ergriffen werden. Wir haben Dr. Iris Pantle im Interview zu der Idee, der Gründungszeit und den Zukunftsaussichten befragt.

Nuberisim_Team_460x275

Team von NUBERISIM (v.l.): Balazs Pritz, Iris Pantle, Carlos Falquez (Quelle: KIT / Markus Breig)

Wofür steht Ihr Unternehmen?

Föhn, Staubsauger, Dunstabzugshaube: Sie sind alle laut, wir hätten sie gerne leiser. Genau das ist unser Ziel. Die Lautstärke hängt hier davon ab, wie die Luft umgewälzt wird. Wir prognostizieren mit Computersimulationen den Lärm solcher Geräte. Die Simulationen sind sehr aufwändig, man muss sogenannte parallele Hochleistungssimulationen durchführen.

Simulation um einen Fahrzeugspiegel

Simulation um einen Fahrzeugspiegel

Ein PC reicht da nicht aus. Früher musste man sich dafür spezielle Hochleistungsrechner (UNIX) oder -rechencluster (Linux) kaufen, die sehr teuer in Beschaffung und Betrieb sind. Das lohnt sich jedoch nicht für Ingenieurbüros oder kleinere Unternehmen, die als Simulationsdienstleister oder Gutachter, z.B. für größere Unternehmen, arbeiten. Wer sich damit auskennt, kann heute in der Cloud parallel simulieren. Wir bieten neben ingenieurischer Expertise und Simulationsdienstleistung unsere NUBERISIM-Plattform für alle an, die gekoppelte Strömungslärmprognosen machen wollen oder müssen, und die nicht erst erlernen wollen, wie man die Simulationssoftware auf eine Cloud bringt, und die sich keinen Hochleistungsrechner hinstellen wollen. Mit NUBERISIM kann man Simulationen via Browser ansteuern und bedienen – gerade so, als hätte man die Software auf dem eigenen Rechner. In Wirklichkeit aber laufen die Simulationen auf einer Cloud-Infrastruktur parallelisiert ab.

Screenshot der Plattform NUBERISIM

Screenshot der Plattform NUBERISIM

Wo und wie kam Ihnen die zündende Idee zur Gründung?

Es gab nicht DEN Geistesblitz, der uns plötzlich getroffen hat. Wir haben ja schon lange vor der Gründung Algorithmen rund um Strömungssimulation und Schallwellenausbreitung im Rahmen unserer Forschungstätigkeit als Wissenschaftler am KIT entwickelt. Das Thema Lärm und seine Gesundheitsfolgen ist seit längerer Zeit ein Dauerbrenner, besonders die Strömungslärmprognose war lange entweder sehr aufwändig, oder so spezialisiert, dass sie nur auf sehr exklusive Fragestellungen verlässlich angewendet werden konnte.

Wir waren uns also sicher, dass unsere Entwicklungen auch für die Industrie interessant sind, hatten aber vor Augen, dass der hohe Rechenaufwand hinderlich bei der Etablierung im industriellen Entwicklungsprozess ist. Denn auch heute verfügen nur große Unternehmen über eine entsprechend leistungsfähige, parallele Recheninfrastruktur. Wir brauchten also etwas Industrieerfahrung, um vergleichbare Simulationsabläufe in Unternehmen einschätzen zu lernen und ein geeignetes Konzept zu entwickeln. Wir haben daher eine ganze Weile viele Informationen und Eindrücke gesammelt, parallel dazu kam das Thema Cloud auf. Das war wirklich elektrisierend! Denn damit eröffnete sich zum ersten Mal die Möglichkeit, ein ökonomisches Konzept für aufwändige Simulationen zu entwickeln – indem man sie in die Cloud verlagert.

Wie hat sich Ihr Gründungsteam zusammengefunden?

Zwei von uns drei Gründungsmitgliedern, Dr.-Ing. Balazs Pritz und ich, haben als Wissenschaftler am KIT lange zusammengearbeitet. Dipl.-Phys. Carlos Falquez hat bei uns während seines Studiums als studentische Hilfskraft gearbeitet. Zum Zeitpunkt der Gründung haben wir uns alle schon zwischen acht und zehn Jahren gekannt. Wir, also Balazs und ich, waren vom Potenzial der Idee überzeugt. Wir brauchten aber unbedingt eine fähige Kraft, die sich auf die Cloud-Thematik spezialisieren würde. Wir hatten Glück, dass sich Carlos für unser Projekt interessierte und fragten ihn, ob er sich vorstellen könnte mitzumachen. Weil klar war, dass wir dazu etwas Zeit für Entwicklung brauchen würden, haben wir uns eine Finanzierung gesucht – und haben dann das EXIST-Gründerstipendium beantragt und auch bekommen.

Worin sehen Sie die Vorteile, Ihr eigener Chef zu sein?

Für mich persönlich bedeutet es schon eine Form von Freiheit, etwas selbst gestalten zu können. Natürlich gibt es auch Einengendes, Bürokratie und Formalia, die bei einer Gründung anfallen. Aber der Spaß am Gestalten des eigenen Produkts ist sicher weit vorne in der Vorteilsliste. Unternehmer, so wie wir uns verstehen, leben ja auch mit ihrem Produkt, d.h. Begeisterung und Idealismus sind bei unserer Arbeit sicher nicht zu unterschätzen. Traumhaft ist natürlich auch, Perspektive schaffen zu können, bis hin zu soliden Arbeitsplätzen in einem anspruchsvollen, interessanten und spannenden Kontext.

Welche Eigenschaft sollte man aus Ihrer Sicht als Gründer mitbringen?

Primär halte ich Neugier, Begeisterungsfähigkeit – und ehrlich gesagt, auch Idealismus – für sehr wichtig. Man braucht schon Ausdauer am Anfang – und wir sind noch am Anfang. Ohne Idealismus und Begeisterungsfähigkeit tut man sich sicher schwer. Zuweilen sind auch innere Alarmglocken und ein gesundes Misstrauen nützlich. Jedenfalls dann, wenn die Gefahr droht, dass man sich aus Unerfahrenheit etwas aufschwatzen lassen könnte…

Wo sehen Sie die Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen? Wo haben Sie sich Unterstützung geholt?

Die größte Hürde bei uns war es, den Anfang zu finden. Da wir alle aus dem technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich kommen und zunächst keinen verwertbaren betriebswirtschaftlichen Hintergrund hatten, mussten wir uns überhaupt erst einmal fragen: „Wie geht das denn, wie gründet man etwas?“ Je mehr Antworten wir bekamen, desto unübersichtlicher wurde das zu Beginn. Aber es gibt Unterstützer! Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte ist: Es gibt sehr viele davon. Sprich: Man muss filtern und auch etwas Glück haben, um auf Leute zu treffen, deren Rat in der konkreten Situation wirklich weiter hilft. Tatsächlich hatten wir das Glück. Und wurden so z.B. mit Hilfe des KIT für das EXIST-Gründerstipendium ausgewählt. Auch hilfreich war, dass ich gerade noch rechtzeitig über die Möglichkeit gestolpert war, nebenbei „Unternehmertum“ an der Dualen Hochschule in Karlsruhe zu studieren. Denn als wir es explizit brauchten, wussten wir dann schon wie das mit dem Businessplan-Schreiben funktioniert :-)

Wie sind Sie in der Gründungsphase mit dem höheren Arbeitsaufwand umgegangen?

Nun, ich persönlich habe ja schon vorher freiberuflich gearbeitet. D.h. ich hatte Phasen, in denen Zeit wirklich Mangelware war, aber auch Phasen, die ich mir freihalten konnte. Ich versuche, das weiterhin so zu handhaben. Es ist auch nicht so sehr der Arbeitsaufwand selbst, sondern die Tatsache, dass viele Dinge neu sind und stärker durchdacht sein wollen, eine Meinung gebildet werden muss, auf deren Basis eine sinnvolle Entscheidung getroffen werden kann. Dafür lechzt man nach Zeit. Hier zahlt es sich dann aus, im Team zu gründen. Im vertrauensvoll zusammen arbeitenden Team geht es nicht nur nach Mehrheitsentscheid, sondern es werden auch Wege und Varianten diskutiert. Das schätze ich sehr.

Haben Sie Tipps für andere junge Unternehmensgründer?

Nach allem bisher Geschriebenen ist mein erster Tipp sicher, Gründungen im Team vorzunehmen! Es befeuert mehr, wenn man ein Grüppchen ist. Allerdings sollte das Team auch nicht zu groß sein. Um späteren Animositäten vorzubeugen, würde ich auch ein Teamcoaching durchführen (lassen). Denn das Team sollte sich und das Denken jedes Einzelnen einschätzen lernen. Es wird dadurch gestärkt, man lernt die gegenseitigen Schmerzgrenzen kennen. Aber Achtung: so ein Coaching kann unter Umständen auch gefährlich, sprich ernüchternd, sein.

Abschließend empfehle ich einen Vertrag zu machen, auch wenn es nicht nötig wäre (wie bei uns als GbR). Ich empfehle ausdrücklich keinen Standardvertrag, sondern eher, einen solchen als Vorlage zu nehmen und jedes Teammitglied daran herumbasteln zu lassen. Diskutiert man das zusammen mit einem Moderator oder besser mit einem Anwalt des gemeinschaftlichen Vertrauens (ja, kostet Geld, ist es aber wert), dann intensiviert es die Teamcoaching-Erfahrung. Mit der Ausdauer und Begeisterungsfähigkeit des Gründungsteams steht und fällt das ganze Gründungsvorhaben.

Kurzübersicht:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>