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Gründer des Monats: Renumics

Renumics_nDie Gründung der Renumics GmbH liegt kein Jahr zurück und bereits jetzt arbeiten sie mit vielen Firmen aus der Automobil-, der Chemie- sowie der Ma­schinenbauindustrie in Pilotprojekten zusammen. Seit November 2016 werden die drei Jungun­ternehmer durch das EXIST-Gründerstipendium unterstützt, im Februar 2017 folgte dann die offizielle Gründung. Das Spin-off nutzt maschinelle Lernverfahren, um Computer Aided Engineering effizienter zu gestalten und Berechnungsingenieure zu entlasten. Wir haben die Gründer im Interview zu der Idee, der Gründungszeit und den Zukunftsaussichten befragt.

 

Wofür steht Ihr Unternehmen?
Numerische Simulationen werden von großen Unternehmen schon seit vielen Jahren genutzt, um das physikalische Verhalten von Produkten zu verstehen und zu optimieren. Beispiele dafür sind die Crashsicherheit eines Autos, die Aerodynamik eines Flugzeugs oder die Temperaturverteilung in einem Computer. Allerdings ist das Erstellen und Auswerten solcher Simulationen typischerweise sehr aufwändig und erfordert ein hohes Maß an manuellen Routinetätigkeiten (leicht mehrere hundert Stunden pro Simulation).
Wir haben neuartige maschinelle Lernverfahren entwickelt, mit denen solche Prozesse automatisiert werden können. Mit dieser Technologie können ingenieurtechnische Simulationen viel schneller durchgeführt und insbesondere für kleinere Unternehmen verfügbar gemacht werden. So können Simulationsprozesse und –Anwendungsgebiete völlig neu gedacht werden. Aus dem Leitmotiv „Rethink Numerics“ entstand auch der Firmenname Renumics.

Wo und wie kam Ihnen die zündende Idee zur Gründung?
Markus und Stefan haben im Kontext des Sonderforschungsbereichs „Cognition-Guided Surgery“ am KIT und am Deutschen Krebsforschungszentrum bereits gemeinsam an medizinischen Simulationssystemen geforscht. In diesem Anwendungsgebiet ist die vollständige Automatisierung von Simulationen zwingend notwendig und die Nutzung maschineller Lernverfahren zu dem Zweck naheliegend. Wir haben dann das Konzept im Rahmen einer Konferenz im klassischen Maschinenbau vorgestellt und sind auf eine beeindruckende Resonanz gestoßen.
Als wir gemerkt haben, dass wir weltweit die ersten mit diesen Ansätzen sind und es ein großes Marktpotential für solche Lösungen gibt, haben wir unser Gründungsprojekt gestartet.

Wie hat sich Ihr Gründungsteam zusammengefunden?
Markus und Stefan kennen sich wie beschrieben schon aus gemeinsamer Forschungsarbeit als Doktoranden. Steffen hat sich in seiner Masterarbeit mit tiefen neuronalen Netzen zur Geometrieerkennung beschäftigt – eine Kerntechnologie für unser Unternehmen. Die gute Zusammenarbeit vor der Gründung hat uns auf jeden Fall Zuversicht gegeben, dass wir als Team gut harmonieren und uns gut ergänzen.

Worin sehen Sie die Vorteile, Ihr eigener Chef zu sein?
Ein wichtiger Aspekt ist sicher, einen großen Gestaltungsfreiraum zu haben und in der Lage zu sein, technologisch und wirtschaftlich neue Wege zu gehen. Für uns ist es aber auch wichtig, dass wir eine Unternehmenskultur aufbauen können, die unsere Werte reflektiert. Das ist für uns eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir (und unsere Mitarbeiter) jeden Tag gerne zur Arbeit gehen.

Welche Eigenschaft sollte man aus Ihrer Sicht als Gründer mitbringen?
Begeisterungsfähigkeit, Neugier und Durchhaltevermögen sind sicher Grundvoraussetzungen für jeden Gründer. Ansonsten sind unserer Beobachtung nach gute Gründer fast immer Menschen, mit denen man gerne zusammenarbeiten würde: Sie haben klare Ziele und können diese gut kommunizieren, sie können gut zuhören und auf andere eingehen und sie treffen transparente und faire Entscheidungen.

Wo sehen Sie die Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen? Wo haben Sie sich Unterstützung geholt?
Am Anfang einer Gründung steht ja fast immer die Idee etwas völlig anders als bisher zu machen. Dann muss man prüfen, ob diese neue Lösung auch ein relevantes Problem löst und wirklich funktioniert. Diese erste große Hürde kann nur durch eine frühe Einbindung möglicher Kunden, Partner und Experten überwunden werden. Die Herausforderung dabei ist zu entscheiden, wann man an der Idee festhalten sollte und wann das Konzept geändert werden muss.
Im Rahmen der weiteren Unternehmensentwicklung muss man als Gründer (insbesondere als Ingenieur, der frisch von der Uni kommt) jeden Tag dazulernen. Das geht nur mit der nötigen Supervision und mit einem guten Netzwerk an Mentoren und Coaches.

Wie sind Sie in der Gründungsphase mit dem höheren Arbeitsaufwand umgegangen?
Jeder erfolgreiche Gründer stimmt sicher zu, dass der Aufbau eines Unternehmens ein Marathon und kein Sprint ist. Wir haben daher von Anfang an versucht, die Projekte und die Entwicklung realistisch zu planen. Außerdem ist es uns wichtig im Normalfall auch genügend Ausgleich (z.B. in Form freier Wochenenden) zu schaffen. So hat man bei wichtigen Deadlines noch Reserven und verringert Wahrscheinlichkeit großer Fehler sowohl in der Strategie als auch in der konkreten Softwareentwicklung.

Haben Sie Tipps für andere junge Unternehmensgründer?
Für eine erfolgreiche Gründung gibt es sicher kein Patentrezept. Am Anfang kann ein gewisses Grundwissen natürlich nicht schaden. Für absolute Einsteiger können wir die Vorlesungsreihe „How to Start a Startup“ vom Y Combinator empfehlen, für fortgeschrittene Gründungsprojekte ist der upCAT-Accelerator des KIT sehr hilfreich. Ansonsten ist es aus unserer Erfahrung nach unabdingbar die Gründung als Vollzeitprojekt und nicht als Backup-Lösung zu begreifen. Nur so kann man die nötige Zeit, die Energie und den Überlebenswillen aufbringen, den man als Gründer braucht.

 

Unternehmen: Renumics GmbH
Gründer: Steffen Slavetinsky, Markus Stoll, Stefan Suwelack
Gründung: Februar 2017
Homepage: www.renumics.com
E-Mail-Kontakt: stefan.suwelack@renumics.com
Branche: Software & Informationstechnologie

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