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Gründer des Monats September: otego

otego_rgbGerade ein Jahr liegt die Gründung des Karlsruher Start-ups otego zurück und schon wächst es aus den Kinderschuhen heraus. Die Kundenaufträge nehmen zu und auch das Team um die vier Gründer wächst. 15 Studierende unterstützen derzeit otego, der Umzug in die Technologiefabrik steht bevor und die ersten Stellenausschreibungen sind rausgeschickt. Chemiker, Elektrotechniker und Maschinenbauer werden aktuell gesucht, um die Weiterentwicklung zur Serie und die Markteinführung mit auf den Weg zu bringen. Wir haben die Gründer im Interview zu der Idee, der Gründungszeit und den Zukunftsaussichten befragt.

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Wofür steht Ihr Unternehmen?
otego steht für eine nachhaltige Nutzung von Umgebungsenergie. Wir haben eine Lösung entwickelt, mit der Wärmequellen einfach genutzt werden können. Ähnlich wie Solarzellen aus Licht Strom erzeugen, können wir bei otego Wärme in Strom umwandeln – eine Technologie, die sich „Thermoelektrik” nennt. Mit unserem würfelzucker-großen (thermoelektrischen) Generator können Wärmequellen wie Heizungen, warme Motoren und die Körperwärme auch als kleine Stromquelle verwendet werden. Zu unseren Pilot-Kunden gehören große Unternehmen und Konzerne, denen wir helfen, kleine drahtlose Sensoren, Ventile oder Wearables batterielos mit Wärmeenergie zu versorgen. Unser Traum ist es, langfristig mit unseren Produkten auch ungenutzte und verloren geglaubte Industriewärme in Form von Strom zurückzugewinnen.

Wo und wie kam Ihnen die zündende Idee zur Gründung?
Die zündende Grundidee kam vor einigen Jahren unserem Mitgründer André während seiner wissenschaftlichen Arbeit am KIT. André hatte sich die Frage gestellt, wie diese schon seit fast 200 Jahren und aus der Raumfahrt bekannte Technologie durch kostengünstige und schnelle Produktionsverfahren massentaugliche gemacht werden kann. Grundlage unseres Produktionsprozesses für die Elektronik sind bis heute Druckverfahren, die man aus dem grafischen Druck für Zeitungen, Bücher oder Etiketten kennt. In diesen Maschinen verdrucken wir eigene, von uns entwickelten elektrisch leitfähige Materialien – unsere zweite zündende Idee, aber diesmal von Silas, unserem Chemiker im Gründerteam.

Wie hat sich Ihr Gründungsteam zusammengefunden?
André und Silas haben sich durch die enge wissenschaftliche Kooperation zwischen dem KIT und der Uni Heidelberg gefunden. Matthias hat im Bereich gedruckte Elektronik seine Abschlussarbeit geschrieben, war von Anfang an gefesselt von dem Verfahren und hat gemeinsam mit André die Produktionsmaschinen zur Weiterverarbeitung der bedruckten Folien entwickelt und aufgebaut. Zur gleichen Zeit ist auch Frederick zum Team gestoßen und hat in einer ausgedehnten Marktstudie das erste Mal das Potenzial der Technologie untersucht und dabei bereits wichtige Kundenkontakte zu einigen unserer heutigen Pilotkunden geknüpft.

Worin sehen Sie die Vorteile, Ihr eigener Chef zu sein?
Wir alle schätzen die Möglichkeit sehr, etwas Eigenes aufzubauen und unsere Idee verwirklichen zu können. Wir freuen uns darauf und arbeiten mit ganzer Kraft darauf hin, dass unsere Kunden durch unsere Generatoren künftig nachhaltige energieautarke Produkte auf den Markt bringen werden. Vieles ist für uns Neuland und wir haben nahezu jeden Tag das Gefühl, mit unseren Aufgaben zu wachsen. Denn die Lernkurve in einem kleinen Gründerteam ist ohne Zweifel ziemlich steil. Letztlich hat man ja nicht nur einen einzigen Job inne, sondern gleich mehrere zur gleichen Zeit. Das ist unglaublich spannend, bringt einen aber natürlich auch manchmal an seine Grenzen.

Welche Eigenschaft sollte man aus Ihrer Sicht als Gründer mitbringen?
Eine klare Zielvorstellung und das dafür notwendige Durchhaltevermögen sind wohl Grundeigenschaften eines Gründers. Um nicht vom Weg abzukommen, hilft sicherlich auch eine gesunde Mischung aus Optimismus und kritischem Denken. Aber auch die Erkenntnis, die Weisheit nicht mit Löffeln gegessen zu haben, ist von Vorteil. Ohne die Bereitschaft und der Wille, kompetente Hilfe von außen zuzulassen bzw. geradewegs zu suchen, macht man es sich nur selber schwer. Mit wachsender Organisation, Mitarbeitern, Kunden, und bei uns künftig auch Investoren, hängen viele unterschiedliche Erwartungen am Gründerteam. Uns als Gründer von otego ist es wichtig, einerseits ein guter Arbeitgeber mit positiver Atmosphäre zu sein, der es dem Team ermöglicht, über sich hinaus zu wachsen. Andererseits legen wir viel Wert darauf, ein verlässlicher Partner nach außen zu sein.

Wo sehen Sie die Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen? Wo haben Sie sich Unterstützung geholt?
Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Weg zum Erfolg für jedes Unternehmen sehr individuell ist! Aus unserer Sicht trifft aber wohl immer zu, dass in einem Unternehmen einzelne Menschen ein Team werden müssen, um erfolgreich zu sein. Wir als Team haben bestimmt auch erst ein sehr kleines, wenn auch wichtiges Stück der Wegstrecke zum erfolgreichen Unternehmen genommen. In einer solchen Phase kann beispielsweise ein Mangel an Fokussierung und Stringenz zu einer systematischen Hürde für den Erfolg werden. Denn kleine Budgets lassen sich nur einmal ausgeben und die Zeit lässt sich ebenfalls selten wieder zurückstellen. Dafür haben wir mittlerweile einen gewissen Methodenbaukasten aufgebaut – nicht zuletzt um otego zu einer skalierbaren Organisation zu machen. Prozesse waren in diesem Zusammenhang sicherlich viel früher ein brennendes Thema, als wir es gedacht hätten. Aber Prozesse sind absolut notwendig, wenn das Produkt bzw. das Geschäftsmodell einen gewissen Komplexitätsgrad besitzt. Unterstützung erfahren wir durch erfahrene Unternehmer und ehemalige Manager, die wir bitten, uns den Spiegel vorzuhalten und im Dialog mit uns den Weg zum erfolgreichen Unternehmen zu skizzieren.

Wie sind Sie in der Gründungsphase mit dem höheren Arbeitsaufwand umgegangen?
Für uns gilt diese Frage wahrscheinlich noch im Präsens, aber wir nahmen und nehmen es nach wie vor sportlich. Ausgleich ist jedoch sehr wichtig und wird von uns gegenseitig eingefordert. Mehr als der höhere Arbeitsaufwand ist allerdings oftmals die Fülle an Themen und Aufgaben eine Herausforderung. Diese versuchen wir bereits jetzt durch ein größeres Team und bald durch neue tatkräftige Vollzeitkräfte auf mehrere Schultern zu verteilen.

Haben Sie Tipps für andere junge Unternehmensgründer?
Mit allgemeinen Tipps halten wir uns eigentlich immer ganz gerne zurück. Allerdings lässt sich „stay hungry, stay foolish“ sicherlich auf viele Ebenen des Startup-Lebens anwenden. Am neugierigsten, unkonventionellsten, erfinderischsten und albernsten ist man dabei ziemlich sicher in einem guten Team. Hat man das gefunden und ist die Idee weit genug von der Erfindung des Rads entfernt, würden wir jedem wünschen, einen guten Mentor kennenzulernen, mit dem man Produkt, Geschäftsmodell und die Organisation weiterentwickelt.

 

Unternehmen: otego GmbH
Gründer: Frederick Lessmann, Matthias Hecht, André Gall, Silas Aslan
Gründung: August 2016
Homepage: www.otego.de
Kontakt: contact@otego.de
Bereich: Elektrotechnik, Feinmechanik & optik sowie Umwelt, Energie & Wasser

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