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In-silico-Revolution in der Biotechnologie

Schluss mit Experimenten: Die KIT-Ausgründung GoSilico ermöglicht der Biopharmabranche eine computergestützte Entwicklung von Herstellungsprozessen für neue Wirkstoffe.

Der Weg von der Entdeckung eines erfolgversprechenden Wirkstoffs bis hin zur Zulassung ist mühsam. Er ist mit unzähligen Experimenten und Studien verbunden, die nicht nur hohe Kosten verursachen, sondern auch sehr viel Durchhaltevermögen fordern. „Bis zu zehn Jahre kann es dauern, bis ein Medikament am Markt ist“, so Dr. Thiemo Huuk. Ein Umstand, den er gemeinsam mit seinen Mitgründern Prof. Dr. Jürgen Hubbuch, Dr. Teresa Beck und Dr. Tobias Hahn beheben will.

Die Gründer von GoSilico (v.l.n.r.): Dr. Thiemo Huuk, Dr. Tobias Hahn und Dr. Teresa Beck (Quelle: Foto Fabry)

Die Gründer von GoSilico (v.l.n.r.): Dr. Thiemo Huuk, Dr. Tobias Hahn und Dr. Teresa Beck (Quelle: Foto Fabry)

Zusammen haben die vier Forscher das KIT-Spin-off GoSilico gegründet. Sie entwickeln Software und Methoden für die computergestützte Prozessentwicklung in der Biopharmazie. Kernstück der Ausgründung GoSilico ist ChromX: Eine Simulationssoftware, mit der sich die Entwicklungsschritte von Herstellungsprozessen für Biopharmazeutika in Sekundenschnelle auf dem Rechner abbilden lassen – was im Labor sonst Tage bis Wochen dauern würde. 95 Prozent der Laborversuche könnten durch die in-silico-Technologie ersetzt werden. Der Begriff „in-silico“ bezeichnet computergestützte Vorgänge und bezieht sich auf das chemische Element Silicium, aus dem ein Großteil der heutigen Computerchips hergestellt wird.

Geld- und Zeitersparnis sind allerdings nicht die einzigen Vorteile, die die Technologie von GoSilico ermöglicht: Prozesse lassen sich unter verschiedensten Einflüssen simulieren – auch in Extremsituationen. So können beispielsweise Robustheitstests wesentlich schneller durchgeführt werden, was maßgeblich zur Erfüllung von pharmazeutischen Regularien beiträgt. Letztendlich ermöglicht die von GoSilico entwickelte Simulationstechnologie so auch eine Reduktion von Risiken.

Die Idee zu ChromX entstand bereits 2011 während der Promotion von Tobias Hahn und Thiemo Huuk am Institut für Bio- und Lebensmitteltechnik (BLT) bei Prof. Jürgen Hubbuch am KIT. Durch die gemeinsame Arbeit an einer Open-Source-Software mit Teresa Beck, die an der Universität Heidelberg in der Mathematik promovierte, formte sich schließlich 2015 das vierköpfige Gründerteam. Tobias Hahn erzählt: „Zu Beginn unserer Forschung hatte niemand mit dem Gedanken der Unternehmensgründung gespielt. Die Software war ursprünglich als akademisches Research-Tool gedacht“. Als sich die Anfragen zur kommerziellen Nutzbarkeit häuften, befassten sich die Gründer Hahn und Huuk erstmals mit der Option, die Software zu lizenzieren und für den Verkauf bereitzustellen.

Von da an ging es Schlag auf Schlag: Im Rahmen einer Entrepreneurship Summer School am KIT-Institut für Entrepreneurship, Technologie-Management und Innovation (EnTechnon) entwickelte das Team ein erstes Businessmodell. Es folgte die Teilnahme am KIT-Accelerator upCAT, bei dem die angehenden Gründer ihre Geschäftsplanung weiter ausarbeiten und vor Business Angels, Unternehmern und Investoren präsentieren konnten. „Als Wissenschaftler mussten wir lernen, mit ganz anderen Augen auf unser Projekt zu blicken. Plötzlich ging es nicht mehr darum, für jede Eventualität eine Lösung parat zu haben, sondern darum, das Produkt am Markt zu testen und Pilotkunden zu akquirieren. Ein Mentor gab uns damals den Rat: ‚Ihr müsst aufhören zu planen und einfach machen‘. Trotz der vielen Planungsunsicherheiten gelten viele Punkte, die wir damals entwickelt haben, auch heute noch“, so Tobias Hahn. Herausfordernd war für die vier Gründer auch die Einarbeitung in Themen, die abseits ihres bisherigen Arbeitsalltags lagen, wie etwa Business Development, Personalführung und juristische Fragestellungen. „Die anfänglichen Schwierigkeiten erwiesen sich letztendlich aber auch als Chance, durch die wir einen wertvollen Rundumblick in sämtliche Unternehmensbereiche erhalten“, erklärt Teresa Beck.

Ergänzend zur Software bietet GoSilico Beratung und Trainings an, um Kunden bestmöglich im Umgang mit der Software zu schulen. Neue Kunden starten in der Regel mit dreimonatigen Pilotprojekten – einer Phase, die sehr betreuungsintensiv ist. „Jeder Kunde hat ein anderes Anwendungsszenario vor Augen.“, so Beck weiter, „Wir orientieren uns in dieser Phase stark an den Bedürfnissen und Anforderungen des jeweiligen Pharmaunternehmens und entwickeln daraufhin eine maßgeschneiderte Lösung basierend auf unserer Simulationssoftware.“ In den nächsten Monaten will das Team die Benutzerfreundlichkeit weiter erhöhen sowie die Software schneller und leistungsfähiger machen. Geplant ist auch eine Automatisierung der Modellbildung und der Steuerung der Geräte. Statt chargenweisem Arbeiten sollen damit langfristig auch kontinuierlich laufende Herstellungsprozesse ermöglicht werden.

Die Software ChromX lässt sich in den Laborablauf integrieren und beschleunigt die pharmazeutische Prozessentwicklung mittels simulierter Chromatografie.

Die Software ChromX lässt sich in den Laborablauf integrieren und beschleunigt die pharmazeutische Prozessentwicklung mittels simulierter Chromatografie.

KONTAKT

Dr. Teresa Beck
GoSilico GmbH
Haid-und-Neu-Straße 18
76131 Karlsruhe

info@gosilico.com
www.gosilico.com

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