Teil 3: Die diskursiven Kreativitätstechniken

Heute möchte ich zwei diskursive Kreativitätstechniken vorstellen: Die morphologische Analyse und das Ursache-Wirkungsdiagramm (Ishikawa-Diagramm).

Die morphologische Analyse

Die morphologische Matrix, oder auch morphologischer Kasten genannt, ist das wohl am weitesten verbreitete Instrument einer diskursiven Kreativitätstechnik und wurde von dem Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky (1898-1974) entwickelt. Die morphologische Matrix bildet das Kernstück der morphologischen Analyse, durch die sich Probleme schrittweise zerlegen lassen und daraufhin in einem Gesamtlösungsfeld erfasst werden können. Genauer gesagt, werden in einer Matrix einzelne Parameter und deren Lösungsalternativen gegenübergestellt. Durch die Kombination der Parameter-Lösungs-Felder können dann neue Lösungswege zum Vorschein kommen. Damit eignet sich die Anwendung der morphologischen Analyse vor allem bei der Entwicklung von neuen Produkten und in der frühen Innovationsphase. Merkmalsausprägungen können so in verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten dargestellt werden.

Der Vorgang lässt sich in fünf Schritte unterteilen:

  1. Kategorien festlegen, die wichtig für die Problemstellung sind
  2. Zu den einzelnen Kategorien alle möglichen Lösungsalternativen bzw. Merkmale festhalten
  3. Kategorien und Lösungsalternativen/Merkmale in eine Matrix übertragen
  4. Alle denkbaren Kombination von Merkmalen miteinander verknüpfen und auf Ihre Funktion und Sinnhaftigkeit prüfen
  5. Die beste Kombinationslösung weiterverfolgen und verfeinern

Die untere Abbildung zeigt beispielhaft eine Kombinationslösung in einer morphologischen Matrix, die sich mit der Entwicklung eines neuen portablen Musikplayers beschäftigt:

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Morphologischer Kasten zur Entwicklung eines portablen Musikplayers

Das Ursache-Wirkungsdiagramm

Wenn Probleme auf ihre Ursachen hin überprüft werden müssen, eignet sich eine genaue Analyse der kausalen Zusammenhänge. Der japanische Wissenschaftler Kaoru Ishikawa entwickelte Anfang der 40er Jahre ein Fischgrätendiagramm (Ishikawa-Diagramm), durch das verschiedene Einflussfaktoren auf Ergebnisse grafisch darstellt werden können. Hierdurch lassen sich Probleme auf ihre Ursache und Wirkung visualisieren und analysieren. Die Ergebnisse können im Team oder in der Gruppe als Diskussionsgrundlage dienen. Bei der Erstellung des Diagramms müssen sich zu aller erst die Teilnehmer im Klaren sein, welches Problem zu Grunde liegt und wie es definiert ist. Dann wird es mit einem horizontalen Pfeil versehen und auf die rechte Seite unter Wirkung verzeichnet. Anstatt eines Problems kann jedoch auch ein Ziel angegeben werden. Im zweiten Schritt werden die Haupteinflussgrößen festgelegt. Weit verbreitet sind die sogenannten 4 Ms (Material, Maschine, Methode, Mensch). Diese sind jedoch beliebig erweiterbar und selbstverständlich nicht verpflichtend. Die Haupteinflussgrößen werden diagonal als Pfeil dargestellt und von kleineren Pfeilen, den Hauptursachen, flankiert. Diese Hauptursachen können z.B. durch Kreativitätstechniken eruiert und sogar von weiteren Nebenursachen begleitet werden. Das bedeutet, Nebenursachen beeinflussen Hauptursachen und Hauptursachen wirken wiederum auf Haupteinflussgrößen, die zu einem Problem oder Ziel führen.

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Schematische Darstellung eines Ishikawa-Diagramms

Teil 2: Intuitive Kreativitätstechniken – Drei Beispiele

Mein letzter Blogbeitrag startete mit einer kurzen Einführung in die Welt der Kreativitätstechniken. An dieser Stelle möchte ich nun drei verschiedene intuitive Kreativitätsmethoden vorstellen.

Bisoziation

Der österreichisch-ungarische Schriftsteller Arthur Koestler erwähnte 1964 in seinem Werk „The Act of Creation“ erstmals die Theorie der Bisoziation. Die Bedeutung leitet sich von dem Begriff „Assoziation“ ab, jedoch stehen nicht etwa lineare gedankliche Abstraktion oder Verknüpfung im Vordergrund, sondern die Verbindung von Aspekten unterschiedlicher Domänen. Konkret bedeutet dies, dass Probleme durch die Betrachtungen von zwei Denk-Dimensionen gelöst werden.

Im ersten Schritt müssen sich die Teilnehmer (wie so oft) bewusst machen, welches Problem vorherrscht, z.B. eine konkrete Fragestellung aus der Produktentwicklung. Im Anschluss wird eine zweite, völlig unabhängige Domäne, bspw. aus der Natur festgelegt. Auf dieser Basis startet dann eine Assoziationsphase mithilfe von Reizbildern. Sie soll Gedanken, Ideen oder Gefühle bei den Teilnehmern hervorrufen. Dabei ist es wichtig, die Ergebnisse der Assoziationen schriftlich festzuhalten. Danach werden die Resultate auf Analogien überprüft, die sich in Form von gemeinsamen Prinzipien und Erkenntnissen zwischen der ursprünglichen Problematik und der Assoziationsphase manifestieren. Abschließend müssen die Analogien bewertet und in die ursprüngliche Domäne adaptiert werden.

Die Kreativitätstechnik der Bisoziation eignet sich vor allem für Problemstellungen aus dem Werbe- und Marketingbereich. Ihre Anwendung macht aber auch bei technischen Problemen Sinn. Skurrilerweise findet die Bisoziation auch in der Humoristik Beachtung, da durch die Analogien zwischen zwei verschiedenen und unabhängigen Bereichen schnell eine gewisse Komik entstehen kann. Sie sollten für die Anwendung der Methode in beiden Fällen jedoch viel Zeit einplanen.

Weiterführende Informationen zur Bisoziation-Methodik findest du hier: http://www.ideenfindung.de/Bisoziation-Kreativit%C3%A4tstechnik-Brainstorming-Ideenfindung.html

Kopfstandtechnik

Die Kopfstandtechnik verspricht viele gute Lösungen, weil sie sich eine menschliche Eigenschaft zu Nutze macht – das Widersprechen von Aussagen! Dem Verstand fällt es leichter negative Aspekte für eine Sache zu finden als Positive. Genau hier setzt die Kreativitätstechnik an.

Man formuliert ein Problem als Fragestellung und dreht diese dann ins Gegenteil um. Beispielsweise wird sich ein Automobilhersteller fragen: „Warum sinken die Absatzzahlen von Kleinkraftwagen im Inland?“ Kehrt man nun die Fragestellung um in „Wie kann ich die Absatzzahlen von Kleinkraftwagen im Inland senken?“, wird man feststellen, dass einem hierzu viel mehr Antworten einfallen. Mögliche Antworten könnten sein (1) Höherer Benzinverbrauch, (2) Weniger Platz, (3) Minderwertiger Komfort… Jetzt stellt man die Antworten nur noch auf den Kopf: (1) Niedriger Benzinverbrauch, (2) Mehr Platz, (3) Hochwertiger Komfort… und schon passen die Antworten perfekt zur Ausgangsfragestellung.

Wenn du mehr über die Kopfstandtechnik erfahren möchtest, kannst du dich hier informieren: http://www.ideenfindung.de/Kopfstandtechnik-Brainstorming-Kreativit%C3%A4tstechniken-Ideenfindung.html

6-3-5-Methode

Bei der 6-3-5-Methode ist der Name Programm. 6 Teilnehmer müssen jeweils 3 Ideen auf einem Blatt Papier mit 3 Spalten und 6 Zeilen notieren und dieses 5-mal weiterreichen.

Zu Beginn notiert jeder der sechs Teilnehmer drei Ideen zu einer Problemstellung auf jeweils einem Blatt Papier. Anschließend wird das Blatt reihum an seinen Nachbar weitergegeben, der wiederum drei neue Ideen zu denen seines Vordenkers schreibt und diese somit weiterentwickelt. Dieser Prozess wiederholt sich fünf Mal, sodass am Ende jeder der sechs Teilnehmer drei Ausgangsideen und fünfzehn Ideen zur Weiterentwicklung notiert hat. Rechnet man diese Prozedur auf 30 Minuten hoch, so erhält man maximal 108 Ideen.

Die Methode ähnelt der Brainwriting-Technik, jedoch ist die Qualität der Ideen durch die stete Weiterentwicklung meist besser. Die 6-3-5-Methode ist simpel und unkompliziert, außerdem entfällt die Notwendigkeit einer Moderation.

Eine ausführliche Beschreibung (inkl. Arbeitsblatt) der 6-3-5 Methode findest du hier: http://www.ideenfindung.de/6-3-5-Methode-Kreativit%C3%A4tstechnik-Brainstorming-Ideenfindung.html